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Doris Dörrie: Alles inklusive (Diogenes Verlag, 21,90 €)

Eines vorweg: Ich bin grosser Doris-Dörrie-Fan; ich mag ihre Filme, ihre Kurzgeschichten und ihre Romane.

Auch ihr gerade erschienener Roman "Alles inklusive" ist wieder sehr empfehlenswert. Der Titel verheißt Sommer, Sonne, Meer und beschwört Urlaubsbilder herauf. Doch es kommt ganz anders!

Statt Postkartenidylle reihen sich die unterschiedlichsten Katastrophen unter der sengenden Hitze der spanischen Küste aneinander. Und so endet ein "harmloser" Seitensprung tödlich, eine langjährige Liebe tragisch und ein Immobilienkauf im Desaster..

Eine wunderbare Lektüre...wenn man nicht gerade in Torremolinos Urlaub macht.

 

Threes Anna: Warten auf den Monsun (Insel Verlag, 22,90 €)

Erzählt wird das Leben von Charlotte Bridgwater, die als Kind mit ihren Eltern in Indien lebt. Als Zehnjährige wird Sie nach England auf ein Internat geschickt und kehrt erst nach dem 2. Weltkrieg endlich wieder zurück nach Indien.

Charlotte muss nun viele Tiefschläge verkraften. Doch sie nimmt die Herausforderungen des Lebens an und als alte Dame kann sie im Jahre 1995 auf ein bewegtes Leben zurückblicken und möchte zu einem Ball das schönste Ballkleid tragen - auch wenn dafür der letzte Edelstein verkauft werden muss...


Anna Threes ist ein wunderschöner Roman gelungen, der die Leserin mit auf eine Reise durch fast einhundert Jahre indisch-englischer Kolonialzeit nimmt.

 
Kathryn Stockett: Gute Geister (btb, 21,99 €)

Kathryn Stocketts Debüt-Roman "Gute Geister" ist die Geschichte der schwarzen Dienstmädchen im Amerika der 60-Jahre.

Die junge Skeeter lebt unkonventioneller als alle ihre Freundinnen in Jackson, Mississippi 1962. Sie hat als einzige nicht geheiratet und möchte Journalistin in New York werden. Für ein erstes Buch interviewt Sie zwei schwarze Dienstmädchen, Minny und Aibeleen, die ihre, oft sehr tragische, Geschichte erzählen.
Das Buch wird anonym veröffentlicht, doch einige Personen in Jackson erkennen sich wieder und das Unheil nimmt seinen Lauf..
Ich habe beim Lesen alles andere vergessen und der Überraschungserfolg aus Amerika hat auch mich überzeugt.

Bertina Henrichs: Ein Garten am Meer (Hoffmann und Campe, 17.- €)

Endlich ein neuer Roman von der Autorin der "Schachspielerin"!

Ein Küstendorf in der Bretagne soll einem Freizeitpark weichen. Doch das wollen die Bewohner des Dorfes nicht mit sich machen lassen und organisieren den Widerstand. Auch Marthe Simonet und Hans von Scharnbeck beteiligen sich; von Scharnbeck ist ein wortkarger Deutscher, der auf einem Segelboot lebt.
Langsam kommen die beiden ins Gespräch und freunden sich schliesslich an. Doch wie kann man die Baulöwen vertreiben? Per Anwalt, oder durch Sabotage und Gewalt?

Dieses Buch macht Lust auf den Sommer und das Meer...

 

Martin Suter: Allmen und die Libellen (Diogenes Verlag 18.90 €)

Da fängt das Jahr ja gut an! Ein neuer Martin Suter und gleichzeitig der Start einer neuen Krimireihe um "Allmen", einen eleganten Lebemann und Feingeist.


Allmen ist über die Jahre in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Fünf Jugendstil-Schalen, in einem Antiquitätengeschäft entdeckt, bringen ihn und seinen Angestellten Carlos auf eine geniale Geschäftsidee: die Wiederbeschaffung von schönen Dingen.

Das Buch hat nur einen Haken: Es ist viel zu schnell zu Ende! Bitte schnell mehr von Allmen!

 

Kate Pullinger: Eine Liebe in Luxor (Bloomsbury Verlag, 19.90 €)

"Das kleine Boot bewegt sich den Nil aufwärts. Während wir weiter nach Süden, fort von allem mediterranen und Europäischen in die Hitze reisen, verlieben meine Lady und ich uns. Nicht in eine Person. Wir verlieben uns in den Fluss und das Land, das er nährt und überflutet, in den Nil und seine Menschen."

Der Titel des Buches "Eine Liebe in Luxor" lässt vermuten, dass es sich um eine eher banale Liebesgeschichte handelt. Doch schon diese Zeilen aus dem Roman zeigen die Vielschichtigkeit und Klarheit der Sprache. Zum Inhalt: eine englische Lady leidet schwer an Tuberkolose und deshalb wird ihr von ihrem Arzt dringend angeraten, in ein trockenes und heißes Land - nach Ägypten - zu reisen, um die Krankheit auszuheilen. Ihr Dienstmädchen und Zofe Sally ist ihre einzige Begleitung.Sally allerdings verliebt sich nicht ausschlieslich in das Land und eine tragische Geschichte nimmt ihren Lauf.

Meine Empfehlung für unsere grauen Herbsttage...

Franka Potente: Zehn (Piper Verlag, 16.95 €)

Zehn Kurzgeschichten, die uns die japanische Kultur näherbringen - und das in einem wunderschön und liebevoll gestalteten Buch.
Mit ihrem Debüt hat mich Franka Potente mehr als überzeugt und ich habe alle Erzählungen gerne gelesen, es sind wunderbare Momentaufnahmen: Eine schwangere Frau ist die einzige in der Familie, die sich auch über eine Tochter freut; ein Tourist, der einer Verkäuferin einen Fächer abkauft und ihr damit den Lebensunterhalt für einen Monat sichert.
Lesen!

 

 

Bernhard Schlink: Sommerlügen (Diogenes Verlag 1.90 Euro)

Nach dem wunderbaren Erzählband "Liebesfluchten" hat Bernhard Schlink sieben neue Kurzgeschichten veröffentlicht.

"Sommerlügen" sind keineswegs leichte Sommergeschichten, sondern sehr kluge und differenzierte Geschichten rund um das Thema Lügen. Schlink denkt viel über das (sein?) Leben nach und macht klar: Um Lügen aufzudecken ist es nie zu spät...

Unbedingt lesenswert, gerade an warmen Sommerabenden.

 

 

 

Florian Beckerhoff: Frau Ella (List Verlag, 14.90 Euro)

Sascha ist wenig begeistert, als er nach einer Augen-OP kurzfristig sein Krankenzimmer mit einer älteren Dame teilen muss. Als die aber gegen ihren Willen operiert werden soll, "rettet" Sascha Frau Ella und bringt sie in seine Wohnung. Seine Mitbewohner freunden sich schnell mit der lebendigen, aber einsamen Frau an. Und Frau Ella fühlt sich wohl unter den jungen Leuten. Gemeinsame Essen und Ausflüge in die Umgebung festigen die ungewöhnliche Gemeinschaft. Doch dann kehrt Saschas Freundin Lina aus Spanien zurück...
Ein humorvoller und warmherziger Roman über eine ungewöhnliche Freundschaft.



 

  


Paolo Giordano:"Die Einsamkeit der Primzahlen"
(Blessing Verlag, 19.95 Euro)

Zwei Kinder, zwei Familien, zwei Schicksale: Da ist Alice, deren Vater ihr einen Skikurs aufdrängt, die das aber gar nicht will, Angst hat, ein "Hosenscheißer" zu sein, schliesslich verunglückt und ein steifes Bein zurückbehält. Und da ist Mattia, der nur ein einziges Mal nicht auf seine behinderte Zwillingsschwester aufpassen wollte, und das mit fatalen Folgen.


"Die Einsamkeit der Primzahlen" erzählt, sprachlich meisterhaft, von Schuld, traumatisierten Seelen und einer unmöglichen Liebe. Klingt anstrengend - und ist doch ein Lesevergnügen und ein tolles Romandebüt.


  

 


Jeanette Walls, Ein ungezähmtes Leben (Hoffmann & Campe, 20.- Euro)

"Hoffe das Beste und rechne mit dem Schlimmsten!" Das ist der Rat, den Lily von ihrem Vater mit bekommt.

Jeanette Walls erzählt die Geschichte ihrer Grossmutter Lily: eine eigensinnige Frau, die sich nicht nur im Umgang mit wilden Pferden, sondern auch als Schmugglerin, Pokerspielerin, Pilotin und Mutter bewährt und den "Wilden Westen" Anfang des 20. Jahrhunderts unsicher macht.
Nach dem grossen Erfolg von "Schloss aus Glas", die ihre eigene Familiengeschichte erzählt, nun die Geschichte der Generation ihrer Grosseltern.
Genauso schön und traurig wie "Schloss aus Glas" und meine Frühjahrs-Leseempfehlung!



 


Martin Suter: Der Koch (Diogenes Verlag, 21.90 Euro)

Eislutscher aus Lakritze-Honig-Ghee und weitere Überraschungen aus der molekularen Küche mit ayurvedischen Einflüssen spielen eine zentrale Rolle in Martin Suters neuem Roman " Der Koch".
Die Leser können sich freuen auf eine erneut sehr originelle und besondere Geschichte, in der Suter auf die ihm unnachahmliche Weise die Handlung um die tamilische Küchenhilfe Maravan mit der weltweiten Finanzkrise und den Unruhen auf Sri Lanka verbindet.

Martin Suter hat in einem Interview gesagt: "Ich schreibe so, wie ich gern lese." Dafür schätze ich alle seine Bücher, dies ist meiner Meinung nach eines seiner Besten!



   
 

Kristof Magnusson: Das war ich nicht (Kunstmann Verlag, 19.90 Euro)

"Das war ich nicht" erzählt von drei Menschen, deren Leben durch Zufall in eine abenteuerliche Abhängigkeit gerät. Und gäbe es
nicht die Möglichkeit der Liebe, vielleicht auch ihre Unmöglichkeit, die dem Leben eine andere, unvermutete Wendung gibt, wer weiss, ob sich ein Ausweg finden würde.
Kristof Magnusson hat einen Roman geschrieben der nachdenklich macht, Thema Börsencrash, aber auch komische Elemente enthält.Zudem entfaltet er eine grosse Spannung und schafft unvergessliche Charaktere.


 

 

Elke Heidenreich und Bernd Schröder: Alte Liebe (Hanser, 17.90 Euro)


Alte Liebe rostet nicht. Aber die Zeit ist an Lore und Harry nach 40 Jahren Ehe nicht spurlos vorbeigegangen. Lore hat Angst, bald mit dem frisch pensionierten Harry untätig im Garten zu sitzen. Nur in einem sind sich die Alt-Achtundsechziger einig: Ihre Tochter Gloria hat alles nur Mögliche im Leben falsch gemacht, nun wird sie einen steinreichen Industriellen heiraten, der auch noch ihr Vater sein könnte. Wie konnte es so weit kommen?
Heidenreich und Schroeder erzählen in umwerfenden Dialogen die Geschichte eines Ehepaares, in der sich jeder wiedererkennen kann... Mein Weihnachtstipp für Männer und Frauen, für Jung und Alt.